Marcin mit seiner Mutter Katarzyna


Marcin

 

Eine besondere Geschichte

Mein Sohn Marcin ist am 8.3.1995 in Poznan (Polen) zur Welt gekommen. Er war mein zweites Kind und ich war total glücklich. Jedoch haben die Ärzte nach zwei Tagen festgestellt, dass bei Marcin abnormale Herzgeräusche zu hören sind. Nach weiteren Untersuchungen in einer Spezialklinik wurde ich informiert, dass Marcin nur noch eine Woche leben wird, da man bei ihm mehrere angeborene Herzfehler festgestellt hatte. Ich und mein Mann haben Marcin sofort taufen lassen. Wir waren am Rande der Verzweiflung. Ich stand vor dem Schrank mit der Kleidung für Marcin und habe geweint. Ich habe darauf bestanden, Marcin zu stillen, obwohl es mir die Ärzte verboten haben. Und er hat es geschafft!
Danach sind wir mit ihm zu den wichtigen Herzzentren in Polen gefahren, überall die gleiche Aussage: wenn Marcin 5 Jahre alt wird, kann man ihn vielleicht operieren. Es gab damals in Polen keine Möglichkeit, so einem neugeborenen Kind zu helfen. Plötzlich bekam mein Mann einen Anruf aus dem Krankenhaus in Poznan, wo Marcin seinen ersten Lebensmonat verbrachte. Die Ärzte hatten Kontakt zu einer Stiftung in Deutschland aufgenommen, die die Behandlung von drei Kindern aus Polen finanzieren wollten. Die Stiftung hieß Heinz und Gudrun Meise-Stiftung für herzkranke Kinder mit Sitz in Rotenburg a.d. Fulda. Und diese Stiftung fand auch ein Herzzentrum in Deutschland, dass die Operation durchführen konnte. Wir konnten es kaum glauben, dass wir Hilfe gefunden haben, oder eher, dass uns die Hilfe gefunden hatte.
Im Januar 1996 sind wir zusammen mit zwei polnischen Familien in das Deutsche Herzzentrum Berlin gefahren. Die Befunde von Marcin waren grausam für uns. Nachdem sich die Ärzte trotzdem für eine Herzoperation entschieden hatten, bekamen wir wieder Hoffnung und Marcin hat es geschafft. Die Stiftung hat nicht nur die Untersuchungen und die OP finanziert, sondern auch meine Lebenshaltungskosten, ebenso die späteren drei Folgeoperationen. Darüber hinaus sind wir regelmäßig zweimal im Jahr, später nur noch einmal im Jahr nach Berlin zur ambulanten Kontrolluntersuchung gefahren. Und fahren immer noch.
Es ist nicht zu ermessen, was die Stiftung für Marcin und für uns getan hat. Dank der Meise-Stiftung lebt unser Sohn, der seit seiner Kindheit an ein tolles Kind ist - immer froh, zufrieden, lustig, aber auch ehrgeizig, intelligent, fleißig. Man sagte uns in Polen - er sei nicht im Stande, die Schule zu besuchen. Und er hat es geschafft, sogar mit Auszeichnung. In Berlin hat man uns beigebracht, dass man diese Kinder, die schon so viel erlebt und gelitten haben, nicht mehr unglücklich machen sollte. Folglich sollte man ihnen nicht verbieten, normal zu leben. Und Marcin versuchte alles - Rad zu fahren, Fussball zu spielen, zu laufen etc. - und setzte sich selbst die Grenzen. Jetzt ist er schon 21 Jahre alt und studiert Biologie im dritten Semester an der Adam Mickiewicz Universität in Poznan. Eigentlich sollte er schon im fünften Semester sein, aber im vorigen Jahr hatte er leider eine Hirnoperation - diesmal in Polen, in Puszczykowo. Und wieder musste er viel erleiden.
Es fehlen uns einfach die Worte, um unsere Dankbarkeit für die Meise-Stiftung auszudrücken. Marcin ist kein Kind mehr und die Stiftung könnte ja mit ruhigem Gewissen aufhören, ihm zu helfen. Sie tut es aber nicht, und dies läßt uns glauben, dass wir noch viele Jahre mit Marcin zusammen leben werden. Ich möchte die Menschen, die in der Stiftung tätig sind, persönlich kennen lernen. Denn ich kann wetten - sie haben Engelsflügel.

Katarzyna (eine glückliche und dankbare Mutter)